Was ist Arbeit 4.0?

Was ist Arbeit 4.0?
7. Mai 2021 Manuel Strunz

Arbeit 4.0 – Was ist das?

Der Begriff Arbeit 4.0 beschreibt den Wandel der Arbeitswelt durch die fortschreitende Digitalisierung und ist im Kontext der vierten industriellen Revolution entstanden. International spricht man in diesem Zuge auch von „New Work“.

Durch die Digitalisierung verändern sich einzelne Tätigkeiten und die Organisation von Arbeit. Menschen können unabhängig von Zeiten und Orten arbeiten und die gesamte Wirtschaft ist global vernetzt. Das führt zu neuen Möglichkeiten und Herausforderungen. 

Die Entwicklung von Arbeit 1.0 zu 4.0.

Die Art, wie Arbeit sich verändert, ist eng mit der industriellen Entwicklung verknüpft. Die industriellen Revolutionen haben einschneidend die Arbeitswelt verändert.

Arbeit 1.0 – Ende des 18. Jahrhunderts

Mitte des 18. Jahrhunderts beginnt die industrielle Revolution, die vor allem durch die Erfindung von Dampf- und Wasserkraft betriebenen Maschinen geprägt ist. Die Arbeit ändert sich dadurch in einigen Hinsichten grundlegend. Es werden erstmals Güter maschinell und in großen Stückzahlen gefertigt. Arbeitsabläufe bekommen mehr Struktur und neue Berufsfelder entstehen. Eine neue Klasse an Arbeitern entsteht, welche unter härtesten Bedingungen arbeitet und praktisch keinerlei Rechte besitzt.

Arbeit 2.0 – Ende des 19. Jahrhunderts

Mit der Erfindung des Automobils und der Nutzung von Elektrizität erreicht die Industrialisierung eine weitere Evolutionsstufe. Ein Meilenstein der zweiten industriellen Revolution ist die erste Fließbandproduktion in den Automobilwerken, die die Massenproduktion ermöglicht. Die ersten Sozialversicherungen werden eingeführt und die Arbeitsbedingungen werden nach und nach verbessert.

Arbeit 3.0 – Mitte des 20. Jahrhunderts

Etwa ab den 1970er-Jahren verändert sich die Arbeitswelt durch die dritte industrielle Revolution. Informationstechnologie, insbesondere Computer und Elektronik werden verstärkt kommerziell eingesetzt und automatisieren die Arbeitswelt weiter. Die neue Technik macht eine breite Qualifizierung der Arbeitnehmerschaft nötig, während viele einfache Arbeiten durch Maschinen verrichtet werden.

Es formt sich die Idee einer sozialen Marktwirtschaft. Arbeitnehmerrechte werden weiter gestärkt und der Wohlstand der Arbeitnehmer steigt an.

Arbeit 4.0 – Ende des 20. Jahrhunderts

Seit etwa den 1990er-Jahren startet durch die Verbreitung von Computern und Internetanschlüssen die vierte industrielle Revolution. Sie dauert bis heute an. Prozesse in der Produktion und das Arbeiten generell wird immer vernetzter. Die Globalisierung und Vernetzung erreicht eine neue Stufe. Anwendungen mit künstlicher Intelligenz werden verstärkt eingesetzt und können immer mehr Aufgaben übernehmen, die bisher von Menschen erledigt wurden.

 

 

Was zeichnet die Arbeitswelt 4.0 aus?

Das Schlagwort Arbeit 4.0 fasst mehrere Aspekte der Entwicklungen zusammen, die die Digitalisierung mit sich bringt:

Mobiles Arbeiten & Homeoffice

Durch die Digitalisierung, welche die Arbeit 4.0 prägt, können viele Arbeiten online erledigt werden, wodurch Arbeitnehmer nicht mehr an ihren Arbeitsplatz gebunden sind. Mit der nötigen Soft- und Hardware ist es möglich von zu Hause aus im „Homeoffice“ zu arbeiten. Das Arbeiten im Homeoffice ist vor allem in der Zeit der Corona-Pandemie stark angestiegen. Absprachen mit Kollegen laufen nun hauptsächlich per Video, Telefon oder Chat.

Für einige Arbeitnehmer ist auch ein mobiles Arbeiten möglich, sie können ihre Arbeit von der Bahn, einem Hotelzimmer oder Café aus erledigen. Neben der örtlichen Flexibilisierung geht auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeit einher. Arbeitnehmer sind nicht länger orts- und zeitgebunden.
Darauf reagiert jetzt auch das am 21.05.2021 vom Bundestag verabschiedete Betriebsrätemodernisierungsgesetz, welches die §§ 30 ff BetrVG anpasst und Betriebsratssitzung und Beschlussfassung per Telefon- oder Videokonferenz einführt.

Agiles Arbeiten
Starre Prozesse und Regeln werden ausgetauscht durch ein offenes und flexibles System, in dem jeder das tut, was er gut kann. Agile Methoden werden immer beliebter in den verschiedensten Unternehmen. Dabei funktionieren agile Ansätze gut mit den zunehmenden flexiblen Arbeitszeiten und der Arbeit 4.0. Agile Arbeit beschreibt eine Methode zur Strukturierung des Arbeitsprozesses. Im Rahmen von agilem Arbeiten werden einzelne Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Teams mit häufig wechselnden Anforderungen konfrontiert. Auch die Arbeitsintensität kann je nach Projekt stark schwanken. Der Fokus liegt hier auf der Selbstorganisation. 

Weiterbildung

Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sind nun für die Dauer des gesamten Berufslebens unabdingbar, um den Anschluss an den technischen Fortschritt nicht zu verlieren. Ständig neue technische Entwicklungen, Arbeitsmethoden und Geschäftszweige zwingen dazu, durch regelmäßige Workshops und Weiterbildungen, immer auf dem neusten Wissenstand zu bleiben.

Kritik an Arbeit 4.0
Die Arbeit 4.0 bringt viele neue Chancen und Flexibilität in die Arbeitswelt und mit dem New Work Konzept kommen einige Vorteile einher. Doch es gibt auch Kritikpunkte.

Unpersönlich

Einige Arbeiten werden automatisiert und menschliche Arbeit kann durch Roboter und Software ersetzt werden. Der Arbeitsalltag wird unpersönlicher.

Steigende Belastung

Mit der technischen Möglichkeit aus dem Homeoffice oder mobil zu arbeiten, führt die Arbeit 4.0 dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. 

Einige Arbeitnehmer fühlen sich durch die Möglichkeit unter Druck gesetzt, ständig erreichbar zu sein und das auch nach Feierabend oder sogar am Wochenende. Das führt zu längeren Arbeitszeiten.
Auch der Druck zur ständigen Weiterbildung, um mit dem technologischen Wandel Schritt halten zu können oder die Angst, dass die eigene Arbeitskraft zukünftig durch einen Computer abgelöst wird, führt zu einer stärkeren Belastung.

Ablösung durch Maschinen

Die Arbeit wird immer weiter automatisiert. Dadurch wächst auch die Angst vor dem Jobverlust.

Neue Kontrollmöglichkeit

Die Technik ermöglicht genaueste Kontrolle und Analyse von Mitarbeitern und ihrer Leistungen. Der Datenschutz gestaltet sich als kompliziert und ist für die meisten nicht leicht nachvollziehbar. 

Arbeit 4.0 erzwingt Umdenken

Die Digitalisierung wird fortschreiten. Diese Entwicklung kann man trotz aller Kritikpunkte nicht aufhalten. Aber auch neue Chancen und Möglichkeiten entstehen. Mit dem richtigen Umgang kann die Arbeitswelt 4.0 mit flexiblen und ausgebildeten Fachkräften zu ihrem Vorteil genutzt werden.

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